Pop - 26th March 1980

Zehntausende von englischen Fans im Blondie-Fieber:
Debbies scharfe Show schaffte alle!

Anfang Januar tourten Blondie durch England. Es was die Rock-Sensation des neuen Jahres auf der Insel. Ausverkaufte Hallen und Begeisterungsstürme landauflandab; wo die amerikanische Supergruppe loslegte, war der Teufel los. Pop war beim Blondie-Triumph durch England dabei.

Ob im schwarzen Plastikdress, im rot-schwarzen Minikleid und in kniehohen Stiefeln oder ganz in Weiss; wenn der Rock-Szene heissestes Girl, Debbie Harry, die englischen Bühnen betrat, war überall in Sekundenschnelle die totalste Action angesagt. Ausgeflippte Jungs versuchten gleich zu Beginn der Blondie-Show die Bühnen ze stürmen, Tausende von ausgestreckten Händen wollten die sexy Blondine ins Publikum reissen und viele Debbie-Fans brüllten un verblümt Liebeserklärungen Richtung Bühne! Wo immer Debbie und ihre Blondie-Kumpels Chris Stein, Frank Infante, Nigel Harrison, Clem Burke und James Destri aufspielten, johlten, brüllten, tanzten und klatschten die englischen Fans vor Begeisterung. «Denis», «Touched By Your Presence», «Heart Of Glass», «Sunday Girl», «Union City Blue»; ohne Pause jagten Blondie ihrem tobenden Publikum einen Hit nach dem anderen um die Ohren! Aber es waren nicht nur die Songs, die den Fans in die Glieder fuhren. Denn auf der Bühne spielte sich eine tierisch-scharfe Show ab, deren unbestrittener Mittelpunkt Debbie Harry war. Was die «Marilyn Monroe des Punk», wie Debbie zu Beginn ihrer Karriere von einem US-Kritiker bezeichnet wurde, auf den Bühnen-Brettern Vollführte, gehört zu den heissesten und mitreissendsten Höhepunkten der heutigen Rockszene! Debbie Harry, die Kratzbürste, die Unnahbare, die schnoddrige, aggressive, dann wieder sanfte und zärtliche Blondine, schaffte mit ihrer unvergleichlichen Live-Show alle ihre Fans bis zum Geht-nicht-mehr. Ob sie hüftewackelnd über die Bühne tanzt, wie ein Löwe brüllt, süss ins Publikum lächelt oder kühl und überheblich auf Superstar macht.
Debbie spielte mit den ausgeflippten Fans ein Katz-und Maus-Rock'n'Roll-Spiel!
19 Konzerte gaben Blondie in England, und alle Shows waren bereits Wochen vorher restlos ausverkauft. Für die eiligst organisierten Zusatzkonzerte gab es gar keine Karten mehr, denn noch lagen Tausende von Vorbestellungen bei den Veranstaltern. Ganz England lag dem Rock-Sextett aus New York zu Füssen. Debbie Harry und Co. spielten bei zwei Wohltätigkeitskonzerten in London und Liverpool, gaben unzählige Radio-und Fernseh-Interviews, Zeitungen organisierten 'Debbie Harry-Doppel-gängerin'-Wettbewerbe und die Hotels, in welchen Blondie abstiegen, wurden von Hunderten von Fans belagert.
Blondie, deren LP «Parallel Lines» das bestverkaufte Album in England im Jahre 1979 war, überrollten die Insel wie ein Wirbelsturm. Auf die Frage, weshalb die Gruppe, die im Verlauf ihrer England-Tournee auch einen kurzen Abstecher nach Paris unternahm, nicht auch uns live auftrat, meinte Blondie-Organist James 'Jimmy' Destri, der momentan mit den New Yorker Gruppen The Student Teachers, The Bloodless Pharaos, The Revlons und The Comateens ein Album produziert: «Wir waren im vergangenen Jahr in England die erfolgreichste Gruppe. Also mussten wir uns auf der Insel zeigen. In England und Deutschland haben wir die meisten Fans. Hintereinander durch diese beiden grossen Länder zu touren, liegt aber einfach nicht drin!». Beim Abschied von England auf Londons Flughafen Heathrow aber versprach Debbie Harry POP: «Wir kommen ganz sicher noch in diesem Jahr nach Deutschland. Von mir aus kann es schon morgen losgehen. Ich bin in toller Form, und bei Euch sind wir bis jetzt immer sehr gut angekommen!»

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SCHADE!
Blondie machen sich noch rarer!
Schlechte Aussichten für alle Blondie-Fans! Wie Melody Maker erfahren hat, werden Debbie Harry und ihre Truppe in den nächsten Monaten musikalisch recht wenig bieten. Einziger Trost: Ein offizielles Blondie-Buch, das in diesem Sommer erscheinen soll, und die verschiedenen Leinwandprojekte der Gruppe, wobei aber noch nicht definitiv feststeht, wann und ob die Filme in Deutschland zu sehen sein werden. Der Streifen «Union City» mit Debbie Harry in der Hauptrolle wird im Februar oder März in London Premiere feiern, und «Roadie», in dem alle Blondie-Musiker mitschauspielern, soll im Mai in den US-Kinos anlaufen. Leadsängerin Debbie scheint Gefallen an der Filmerei gefunden zu haben, denn sie beschäftigt sich bereits mit einem weiteren Drehbuch für einen abendfüllenden Film, für den Gruppengitarrist Chris Stein den Soundtrack schreiben will.
An der Plattenfront sehen die Blondie-Pläne so aus: Als nächste Single will die Gruppe ihren bisher unveröffentlichten Titel «Call Me» auf den Markt bringen, und zudem könnte uns auf Anfang Sommer die erste Blondie Live-LP ins Haus stehen. Die Band hat nämlich ihr Konzert vom 12. Januar im Hammersmith Odeon in London aufgenommen und im Studio bereits die ersten Songs abgemischt. Eine neue Studio-LP ist für dieses Jahr leider nicht zu erwarten.
Auch für Live-Aktivitäten haben Blondie zur Zeit nur vage Pläne. Der schon lange versprochene Deutschland-Besuch wird frühestens im Spätherbst über die Bühne gehen, wenn die Gruppe im Rahmen einer England-Tournee für einige Abstecher auf den Kontinent kommen will. Bis dahin müssen sich die deutschen Blondie-Fans weiterhin gedulden!


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